Das unterschätzte Orientierungsorgan: OHR

Zum Leben gehört es, Unterschiede wahrnehmen zu können. Das beginnt mit einfachen Dingen wie hell – dunkel, feucht – trocken, oben – unten. Im Laufe der Evolution wird diese Unterscheidungsfähigkeit immer feinsinniger und genauer.

Um das eigene innere Erleben („wie geht es mir und woran merke ich das?“) mit der Außenwelt in Verbindung zu bringen, brauchen wir ein Sinnessystem, das verlässlich ist und uns Orientierung bietet. Das beginnt mit dem Gefühl, einen sicheren Standort zu haben, also zu wissen, wo oben ist und wo unten, wo links und wo rechts, wo vorne, wo hinten. Das klingt banal, hat aber weitreichende Auswirkungen. So bedeutet ein klares Gefühl für unten: Der Boden ist stabil, berechenbar, im übertragenen Sinne: Ich fühle mich getragen und verbunden. (Und dieses Gefühl benötigen wir für die Entwicklung von Beziehungsfähigkeit, sowohl zu uns selbst als auch zu unserer Umgebung.)

Auf der Basis des sicheren Standortes benötigen wir noch eine Antwort auf die Frage: wo stehe ich „im Verhältnis zu?“, etwa zu einer Sache wie eine Tür, zu einer Person, zu einer Aufgabe. Das Auge könnte uns dabei täuschen: Wer schon einmal in einem Zug saß, neben dem ein anderer Zug anfuhr, kennt das Gefühl. Das Hören ist eindeutig: Dieselbe Schallquelle klingt anders, wenn sie sich auf uns zubewegt als wenn sie sich von uns entfernt. Das hat jeder schon einmal bei einem vorbeifahrenden Rettungswagen erlebt.
Mit Hilfe einer immer differenzierter werdenden Hörfunktion erkennen wir, ob und wie uns eine Sache etwas angeht. Erlebt wird dies, obwohl das Ereignis selbst nur akustisch aufgetreten ist, emotional. An der Wirkung von Filmmusik kann das gut beobachtet werden.
Das Ohr ist unser wichtigstes Orientierungsorgan. Es organisiert die Wahrnehmung in Raum und Zeit und übernimmt mit der Hörfunktion auch für die inhaltliche und emotionale Orientierung eine Schlüsselfunktion.

Kinder müssen ihre Orientierungsfähigkeit erst entwickeln. Um sich dabei auf die Wahrnehmung des Ohres verlassen zu können, müssen beide Ohren auf dasselbe Signal in gleicher Weise, auch im gleichen Tempo reagieren. Das gilt sowohl für die Gleichgewichtsfunktion als auch für das Hören.
Ist das nicht der Fall, hat das mehrfache typische Auswirkungen, die von Fall zu Fall als Beeinträchtigungen, Entwicklungsstörungen oder sogar Behinderungen eingestuft werden.

Wenn das Gleichgewicht nicht gut reguliert werden kann, ist die Koordination von Bewegungen anstrengend, die räumliche Orientierung fällt schwer, in manchen Fällen auch das Zeitempfinden. Ist die Tiefensensibilität ist nicht adäquat entwickelt, macht sich das beim Schmerzempfinden oder auch im Temperaturgefühl bemerkbar.
Ist das Hören betroffen, fällt es oft an einer unklaren Aussprache auf; das Wortverständnis ist beeinträchtigt, häufig verbunden mit einer scheinbaren Merkschwäche. Dabei bindet die Anstrengung der Kinder, das links und rechts nicht gleichmäßig Gehörte zu verbinden deren kognitive Aufmerksamkeit. Fälschlicherweise wird das häufig als Konzentrationsschwäche eingestuft.

Die emotionalen Reaktionen hängen von der Qualität der Wahrnehmung ab. Weil „Hören“ und emotionales Erleben eng vernetzt sind, findet sich inadäquates oder nicht altersgemäßes Verhalten häufig bei einer auditiven Verarbeitungsschwäche. Ist das Balanceempfinden im Ohr gestört (oft bei der sog. Hyperaktivität) oder werden Aufmerksamkeitsdefizite beim Lernen bemerkt (z.B. lange Leitung), hilft das OtoTraining® dem Ohr, seine unterschiedlichen Aufgaben besser oder sogar völlig unauffällig (wieder) zu erfüllen.